Das einzigartige Gallipoli (Gelibolu)
Mit dem Nachtregen wurde es deutlich kühler. Die Grenze in Kipi zur Türkei, besonders auf der Brücke über die Mariza, war hoch bewacht. Wir gelangten dieses Mal ohne Scannerprüfung schnell in die Türkei. Nur ein freundlicher Zöllner inspizierte unser Wohnmobil.
Die Weiterfahrt nach Gallipoli/Gelibolu war danach sehr entspannt, obwohl Wetter und Sicht schlecht waren. Beeindruckend die längste Hängebrücke der Welt über die Dardanellen im Norden von Gallipoli. Die 65 km lange Meerenge verbindet die Ägäis mit dem Marmarameer.
Geschichtsträchtiges Gallipoli/Gelibolu
Zunächst dachten wir, dass es kein Problem wäre auf der Gallipoli Landzunge ein geeigneten Platz zu finden, aber die hohe Polizeipräsenz irritierte uns und so stellten wir fest, dass Freistehen auf Gallipoli verboten ist.
Der Grund für die Polizeipräsenz war allerdings der Besuch des türkischen Staatspräsident bei den Feierlichkeiten am Denkmal für die Gefallenen von Çanakkale vom 18. März 1915. Gelibolu ist der neuere Name, denn früher hieß die Halbinsel Gallipoli. Sie ist ein sehr wichtiger Erinnerungsort für die Türkei und Militär, was die Campingverbote zudem erklärt.
Die Schlacht von Gallipoli/Gelibolu
Überall auf der Landzunge verteilt sind viele Sehenswürdigkeiten zu finden, die an den Dardanellenkrieg von 1915 erinnern. Am 18. März 1915 hat die türkische Armee die Entente-Mächte, die im Wesentlichen aus Frankreich, Großbritannien und Russland bestanden, eine schwere Niederlage zugefügt. Auch weil Seyit Onbasi eine über 200kg schwere Granate in eine Kanone per Hand geladen hat und diese abfeuerte und das größte Schlachtschiff versenkte. Er ist in der Türkei ein großer Nationalheld. Es starben in diesem Krieg über 100.000 Soldaten und 250.000 wurden verletzt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sehr viele Soldatenfriedhöfe auf der Landzunge zu finden sind. Ziel der Entente war es die Dardanellen zu beherrschen und letztlich die Türkei ganz einzunehmen. Hauptinitiator und 1. Lord der Entente-Mission war Winston Churchill.
Namazgah Bastion
Die Bastion hat im ersten Gebäude ein Museum, das sich mit den Ereignissen vom 18. März 1915 beschäftigt. Es sind Informationstafeln und Waffen ausgestellt. Einige Darstellungen zeigen das Leben im Bunker. In einem Kino läuft ein Film, leider nur auf türkisch, der die Seeschlacht und den Untergang der alliierten Schiffe darstellt. Der Eintritt ist gering. Hier befindet sich die engste Stelle der Dardanellen.
Märtyrerfriedhof Şahindere
Der Märtyrerfriedhof Sahindere ist etwa 10 km vor Alintepe und liegt auf der rechten Seite in einem Wald. Sahindere ist eine wichtige Gedenkstätte. Neben vielen Gräbern ist in der Mitte ein kegelförmiges Denkmal mit Mond und Stern zu finden. Dies soll den Aufstieg der Märtyrer in den Himmel symbolisieren. Am Boden befinden sich 132 markante Grabsteine. Auf jedem Grabstein steht ein Städtename aus der Türkei.
Hilal-i Ahmer-Krankenhausmuseum
Ein sehr bedrückendes Museum ist das Hilal-i Ahmer-Krankenhausmuseum. Das Museum stellt den Kampf in den Schützengräben mit lautem Ton und Figuren in bestimmten Situationen nach. Es ist schwer dies zu sehen, insbesondere derzeitig, da wieder einige Kriege stattfinden. Noch bedrückender ist die Darstellung eines Lazarettes mit täuschend echten Situationen.
Das Museum ist sehr authentisch aufgebaut und erspart einem nicht die Greuel eines Krieges anzusehen.
Denkmal für die Gefallenen von Çanakkale
Die wichtigste und größte Gedenkstätte ist das Denkmal der Gefallenen von Canakkale. Das große Areal steht am Eingang der Dardanellen in der Nähe des Südzipfel. Hier fand die zentrale Gedenkfeier mit dem Staatspräsidenten am 18. März 2026 statt.
Wieder sind viele Soldatengräber zu sehen, die in rot und weiß gestaltet sind. Es ist ein Ehrenfriedhof mit den sterblichen Überresten von 600 Soldaten des 57. Infanterieregimentes. In der Mitte ist ein riesiges Monument. Es ist 41,7 m hoch und besteht aus 4 quadratischen Säulen. Auf der wiederum eine 25x25m große Betonplatte angebracht wurde. An jeder Seite befindet sich zwei Tafeln, die Szenarien aus dem Krieg darstellen, darunter auch Seyit Onbasi. Dieses riesige Bauwerk ist schon von weitem sichtbar.
Kilitbahir Burg
Gegenüber der Namazgah Bastion findet man die Kilitbahir Burg. Die massive Festungsanlage wurden 1463 von Fatih Sultan Mehmet erbaut, um die Meerenge an ihrer engsten Stelle zu kontrollieren. Die Festung kann gegen eine geringe Gebühr begangen werden. Sie besteht aus Außenmauern, einem kleineren Turm, sowie 3 aneinander liegende runde Türme die um einen höheren Turm in der Mitte gebaut sind. Im hohen Turm sind mehrere Gegenstände und Wandtafeln ausgestellt.
Toller Übernachtungsplatz
Da Freistehen schwierig war wählten wir in Eceobat einen kostenpflichtigen Platz aus, der mit 11.-€ günstig war. Da der Platz erhöht über den Dardanellen lag, hatten wir am Abend einen atemberaubenden Blick auf die beleuchtete Meerenge und Canakkale. Bei viel Wind und niedrigen Außentemperaturen genossen wir diese wunderbare Aussicht mit einem leckeren Raclette.
Infobox: Teuere Simkarte in Ipsala – 50 GB für 3000 TL. Stellplatz in Eceabat 11.-€ Besitzer lebte in Berlin und spricht Deutsch. Leider ist Freistehen auf der Halbinsel fast überall verboten. Tagesparkplätze für die vielen Sehenswürdigkeiten sind genügend vorhanden. Eintritte in die Gedenkstätten frei oder geringer Preis.
Strecke: Gelibolu – 200 km, 8 Grad, bewölkt




























