Durch die Schlucht nach Malatya
Die schönste Fahrt durch eine Schlucht
Um vom Euphratursprung nach Malatya zu kommen, mussten wir ein weiteres Mal über die Berge. Nach Derebück bogen wir bei sonnigem Wetter und 18 Grad auf die D885 ab. Auf einer üblichen Serpentine passierten wir den Pülümür Pass auf 1900 m. Danach folgte bis nach Tunceli die schönste Fahrt durch eine Schlucht die wir bisher in der Türkei hatten. Die Straße ging immer entlang eines reißenden Flusses. Die Berge links, wie rechts sahen überwältigend aus. Viele kleine Tunnel sind auf dieser Strecke zu durchfahren, die der Fahrt eine gewisse Spannung gaben.
Sonne und Starkregen
Die meisten Tunnel wurden gebaut, damit die Straße befahrbar blieb. Diese verhindern, dass Schnee oder Geröll die Straße blockieren. Andere Tunnel wurden durch den Felsen gebohrt. Von den teilweise schneebedeckten Bergen stürzten von überall her kleine Bäche in den bereits vollen Fluß. Ein Zeichen, dass die Schneeschmelze voll im Gange war. Eingangs der Schlucht hatte es 19 Grad und Sonne. Dies änderte sich, denn vor Tunceli hatten wir dann Starkregen bei 11 Grad. Beide Szenarien lassen natürlich den Schnee schnell dahinschmelzen.
Die Burg Pertek auf einer Insel
Ab Tunceli wurde das Tal breiter und die Berge flacher. Es war kaum noch Schnee auf den Bergen zu sehen. In Pertek befindet sich der Keban Stausee. Dies ist nach dem Atatürk Stausee der 2. größte Stausee in der Türkei. Wir fanden in Pertek keinen Stellplatz, daher nahmen wir die Fähre, auf der wir einen Platz ergattern konnten. Bei der Überfahrt kommt die Fähre an einer Insel mit der Burg Pertek vorbei. Nur wegen der Talsperre ist diese Insel entstanden. Die Burg ist daher nur mit dem Schiff erreichbar. Ein Platz für die Nacht war mit Sicht auf die Burg schnell gefunden.
Harput in Elazig
Bis in die historische Stadt Harput, die vor der Elazig liegt, war es von der Fähre aus nicht weit zu fahren. Zunächst besuchten wir das gut erhaltene Arap-Baba-Mausoleum aus dem Jahre 1279. In der Gruft unterhalb der kleinen Moschee soll die unverweste Leiche von Arab Baba liegen. Er ist ein Heiliger und war Feldherr der Seldschuken. Die nächste Station war die große Burg hoch oben auf dem Felsen, die aus dem 8 Jh v.Chr stammt. Vieles ist eingezäunt, da im großen Umfang Ausgrabungen stattfinden. So konnte man wenigstens die tolle Aussicht auf Elazig genießen.
Die Zisterne tief im Felsen
Ein Bonbon gab es dann doch, denn wir konnten in die 33m tiefe Zisterne hinab. Erreichbar war diese in einem engen Tunnel über eine steile Treppe mit 112 Stufen auf 66m Länge. Beim Aufstieg waren wir hinterher ganz schön außer Puste.
Die Große Moschee
Unsere 3. Station war die Große Moschee mit einem schiefen Minarett. Sie gilt als eine der ältesten Moscheen in Anatolien. Nachdem wir die Schuhe ausgezogen hatten, konnten wir die Moschee aus dem 12. Jh. besichtigen.
Die Aprikosen um Malatya
Wir verließen Elazig in Richtung Malatya und überquerten den Euphrat über die imposante Kömürhan-Brücke. Vor der Brücke durchfuhren wir einen modernen 2,4km langen Tunnel. Es folgten große Aprikosen-Plantagen. Endlos ging es ab Kale an diesen vorbei. Malatya ist die Aprikosengegend und hat diese Frucht zum Wahrzeichen erkoren. Leider war diese Stadt beim Erdbeben 2023 ebenfalls stark betroffen. In der Stadt wohnen immer noch viele Menschen in Wohncontainer, die wir bereits von Kahramanmaras kennen.
Als wir durch die Stadt fuhren, sahen wir viel mehr Bauaktivitäten als in anderen Städten. Es entstehen Wohngebäude in allen Größen. Es werden immer mehrere Häuser, ob Bungalow oder Hochhaus vom selben Typ erstellt. Manchmal fragten wir uns, wer da alles in diese vielen Gebäude einziehen soll.
Die Entstehung des Staates in Arslantepe
Wir interessierten uns vor allem für die historische Stätte Arslantepe (türkisch für „Löwenhügel“). Da Bauarbeiten stattfanden, möglicherweise noch wegen dem Erdbeben 2023, war eine Besichtigung nicht möglich. Als Trost wurden Fundstücke vor der Stätte ausgestellt und das Museum konnte kostenlos besichtigt werden. Der Arslantepe-Hügel ist UNESCO-Erbe und ist eine der ältesten bekannten Siedlungen der Welt. Hier sollen schon 6.000 Jahre v.Chr. Menschen gesiedelt haben. Sie gibt Einblicke in die Entstehung des Staatswesens mit der Bürokratie.
In Arslantepe wurde das erste bekannte Schwert gefunden. Beeindruckend der Halsschmuck, der aus Knochen erstellt wurde. In einer Animation konnte man sehen, wie die damaligen Menschen in der Fötus-Stellung beerdigt wurden. Es ist immer wieder beeindruckend was Menschen tausende Jahre vor Chr. geschaffen haben.
Der kleine Stausee Sultansuyu
Viele Eindrücke haben wir gesammelt und wollten nicht länger in Malatya bleiben. So fuhren wir an den kleinen Stausee Sultansuyu der zur Bewässerung der Region dient. Hier fanden wir einmal mehr einen Platz am See. Am nächsten Morgen konnten wir noch ein besonderes Schauspiel betrachten, denn es wurde Wasser vom Stausee abgelassen. Das Wasser schoss regelrecht aus einem 2m breiten Rohr in einen Fluß.
Infobox: Fähre Pertek-Meseli 210TL fährt jede 1/2h. Keine Eintritte in Harput und Arslantepe.
Strecke Pertek 200 km, Malatya 180km, 11-19 Grad starkregen-sonnig

















































